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Keine Angst vor Aut idem!
Aut idem ist eine neue, moderne Form der Medikamentenabgabe, die in 17 Ländern der EU bereits Realität ist. Laut aktueller Gesundheitsreform wird Aut idem ab dem Jahr 2010 auch in Österreich umgesetzt. Die Patienten erhalten mit ihrem Rezept entweder das aufgeschriebene Medikament oder ein wirkstoffgleiches Generikum in der Apotheke. Dem Apotheker kommt als ArzneimittelFachmann dabei eine wichtige Rolle zu.

Derzeit ist der Begriff »Aut idem« (auf Deutsch »oder das Gleiche«) in aller Munde. Aut idem bedeutet, dass Apotheker auf ein vom Arzt verschriebenes Medikament ein anderes, wirkstoffgleiches Arzneimittel abgeben können. Dabei handelt es sich um ein Arzneimittel, das sowohl vom Wirkstoff her als auch in seiner Wirkung gleichwertig ist. Diese Regelung wird für etwa 100 von insgesamt 1.000 Wirkstoffen gelten. Für diese 100 Wirkstoffe gibt es bereits Nachbauprodukte von Originalpräparaten, also so genannte Generika. „Die Kunden bekommen bei Aut idem die beste medikamentöse Therapie. Heutzutage gibt es derart viele Medikamente mit demselben Wirkstoff, so dass wir in der Apotheke ein günstiges Präparat auswählen können“, versichert Mag. pharm. Heinrich Burggasser, Präsident der Österreichischen Apothekerkammer.
Aut idem in Europa
Aut idem wird bereits in 17 Ländern der EU angewandt. In Deutschland ist die Generikaquote durch Aut idem im 1. Quartal 2008 auf mittlerweile 60 Prozent gestiegen, berichtete der Branchenverband Pro Generika. Österreich ist das 18. Land, in dem Aut idem eingeführt wird, um den Generikaanteil zu erhöhen. Der Generikaanteil in Österreich liegt bei rund 20 Prozent. Das Österreichische Bundesinstitut für Gesundheitswesen (ÖBIG) hat errechnet, dass Aut idem zu einem jährlichen Einsparungsvolumen von rund 35 Mio. Euro führt. „Wir Apotheker unterstützen Aut idem, weil es eine sinnvolle Art zu sparen ist, ohne dass eine Verschlechterung für die Patienten zu befürchten ist“, bestätigt Mag. pharm. Leopold Schmudermaier, Vizepräsident der Österreichischen Apothekerkammer.
Doch nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen Ländern funktioniert Aut idem. Schweden etwa besticht durch seinen sehr hohen Generikaanteil. Rund 45 Prozent aller Packungen, die in Schweden abgegeben werden, sind Generika und verursachen nur rund 13 Prozent der Medikamentenkosten. Ein ähnliches Bild zeigt sich in den Niederlanden, wo 50 Prozent aller abgegebenen Medikamente Generika sind. Die Kosten dafür liegen allerdings bei lediglich 20 Prozent. Wie effizient bei Medikamenten gespart werden kann, zeigt sich auch in Dänemark, wo der Generikaanteil aller abgegebenen Medikamente bei 70 Prozent liegt.
Ihr Apotheker weiss Bescheid
Apotheker sind die Arzneimittel-Fachleute schlechthin. Die universitäre Ausbildung der Apotheker umfasst alle Aspekte, die Arzneimittel betreffen. Niemand weiß besser über Arzneimittel Bescheid als die Apotheker. Sie beschäftigen sich tagtäglich in ihrer Tätigkeit an und hinter der Tara mit Arzneimitteln. „Die Apotheker haben den besten Überblick über aktuelle Medikamenten-Entwicklungen am Markt“, weiß Mag. pharm. Max Wellan, Mitglied des Präsidiums der Österreichischen Apothekerkammer. Und er kennt mögliche Neben- und Wechselwirkungen bei Einnahme mehrerer Arzneimittel bzw. Nahrungsergänzungsmittel.
Aut idem am Beispiel eines Lipidsenkers
Ein konkretes Beispiel: Herr F. leidet an einem zu hohen Cholesterinspiegel. Sein Arzt verordnet ihm einen Lipidsenker mit dem Wirkstoff Simvastatin 20mg. Mit diesem Wirkstoff sind aktuell 22 unterschiedliche Präparate im Arzneimittelkodex gelistet. Sechs davon stehen kurz vor der Markteinführung. 14 Produkte tragen sogar denselben Namen, der mit dem Wirkstoffnamen ident ist: Sie heißen schlicht Simvastatin. Das Originalpräparat kostet pro Packung 23 Euro (30 Stück; Kassenpreis ohne MwSt., Grüne Box). Das billigste Generikum kostet 12,55 Euro (30 Stück), ist also pro Packung um satte 10,45 Euro – also fast die Hälfte – billiger.
„Für den Kunden wird sich durch Aut idem nicht viel ändern. Bereits heute kann es vorkommen, dass ein verschriebenes Produkt nicht abgegeben werden kann, weil es einfach nicht lieferbar ist. Damit der Kunde trotzdem unverzüglich seine Therapie beginnen kann, wird ein gleichwertiges Medikament nach Rücksprache mit dem Arzt abgegeben“, so Mag. Wellan.
In unserem aktuellen Fall erhält Herr F. einen Lipidsenker für seinen zu hohen Cholesterinspiegel. Dieser wird vom Apotheker aus einer Referenzgruppe ausgewählt, die sich an einem Referenzpreis orientiert. Sollte der Kunde das Präparat noch nicht kennen, informiert der Apotheker eingehend über die Art und Weise der Einnahme.
Beharrt Herr F. auf dem Produkt, das er auch bisher bezogen hat, so darf der Apotheker das Wunschpräparat abgeben. Liegt dieses Wunschprodukt außerhalb des Preisbandes, zahlt Herr F. die Differenz selbst auf. Liegt das Wunschpräparat innerhalb der Gruppe, muss nicht aufgezahlt werden.
Beispiel: Lipidsenker
Verordnet wird Simvastatin 20 mg
Das günstigste Generikum ist fast um die Hälfte billiger als das Original
Aut idem in der Apotheke. Die wichtigsten Fragen:
Wird von der Krankenkasse nur noch das billigste Präparat bezahlt?
Nein, sonst könnte ja keine Auswahl erfolgen. Damit die Apotheker tatsächlich auch die günstigsten Medikamente auswählen können, ist laut Gesundheitsministerium geplant, dass der Hauptverband der Sozialversicherungsträger »Referenzgruppen« bildet. In diesen Gruppen sollen mindestens drei Präparate gelistet sein. Die Apotheker haben die Aufgabe, eine dieser Arzneispezialitäten aus der Referenzgruppe abzugeben. Von der Krankenkasse werden nur Produkte aus dieser Gruppe erstattet. Der Hauptverband der Sozialversicherungsträger bildet im Erstattungskodex Referenzgruppen und aktualisiert diese halbjährlich. Bei weniger als drei Präparaten gibt es keine Referenzgruppe. Will der Patient ein Präparat, das teurer ist, ist das kein Problem. Der Kunde hat die Freiheit zu wählen. In diesem Fall braucht er nur die Differenz auf den Referenzpreis aufzuzahlen und erhält sein Wunsch-Präparat.
Die Eckpunkte der Aut idem-Regelung
„Wir Apotheker unterstützen Aut idem, weil es eine sinnvolle Art zu sparen ist, ohne dass eine Verschlechterung für die Patienten zu befürchten ist.“
Mag. pharm. Leopold Schmudermaier, Vizepräsident der Österreichischen Apothekerkammer
Welche Möglichkeiten hat der Arzt, Aut idem auszuschließen?
Zur Förderung der Therapietreue, also des Einhaltens der Einnahmeregeln – kann der Arzt aus medizinischen Gründen eine bestimmte Arzneispezialität weiterhin unter ihrem Produktnamen verordnen und Aut idem explizit ausschließen.
Ausschließungsgründe für Aut idem sind:
Medikamente aus der Apotheke
Nichteignung der möglichen Referenz-Arzneispezialitäten zum Erreichen der medizinisch-therapeutisch notwendigen Dosierungen z.B. in Folge fehlender Teilbarkeit einer Tablette
Apotheker sind die Arzneimittelfachleute
Welche Möglichkeiten hat jemand, der ein Generikum nicht verträgt?
Patienten mit Unverträglichkeiten gegen Hilfsstoffe in Generika haben keinen Grund zur Sorge. Derartige Unverträglichkeiten sind extrem selten. Die Arzneimittelfachleute in der Apotheke helfen in diesen speziellen Fällen weiter. Außerdem kann der Arzt im Bedarfsfall ein bestimmtes Präparat verordnen und Aut idem ausschließen.
Warum gibt es bei manchenÄrztevertretern eine derart große Aufregung?
Die Aufregung ist völlig unbegründet. Jede Änderung im Gesundheitssystem ruft eine Verunsicherung hervor. Ähnliche Unsicherheiten sind auch in anderen Ländern beobachtet worden, in denen Aut idem eingeführt wurde (z.B. Frankreich). Wenige Wochen nach Einführung haben aber alle Beteiligten gesehen, dass Aut idem problemlos funktioniert und alle Diskussionen darüber sind schlagartig verstummt.
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