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Tun Sie etwas gegen den Schmerz!

Einer Umfrage der Österreichischen Schmerzgesellschaft zufolge beantworten 23 Prozent der Österreicher die Frage „Leiden Sie selbst über drei oder mehr Monate hinweg an chronischen Schmerzen?“ mit JA. Hartnäckige Vorurteile erschweren eine optimale Behandlung: Fast die Hälfte der chronischen Schmerzpatienten glaubt, dass man Schmerzen einfach ertragen müsse.

Schmerzen sind ein eigenständiges Krankheitsbild und müssen nicht passiv ertragen werden, sondern bedürfen einer angemessenen Behandlung. Frauen und sozial Benachteiligte sind deutlich öfter von Schmerzzuständen betroffen als die Durchschnittsbevölkerung. Insgesamt hat knapp ein Viertel der in Österreich lebenden Menschen chronische Schmerzen. In der Gruppe der über 50-Jährigen sind es sogar 43 Prozent, so Univ.-Prof. Dr. Michael Bach, Präsident der Österreichischen Schmerzgesellschaft. Manche Gruppen leiden in besonderem Maß. Unterscheidet man nach dem Geschlecht so wird deutlich, dass 18 Prozent der Männer, jedoch 28 Prozent der Frauen von chronischen Schmerzen betroffen sind.

Klischees und Vorurteile zum Thema Schmerz
Viele Vorurteile lassen Betroffene zur spät oder gar nicht zum Arzt gehen – der Weg zu einer optimalen Schmerztherapie ist dadurch erschwert.

»Schmerzmittel sollen möglichst kurz eingenommen werden«
Der Feststellung »Schmerzmedikamente sollten nur möglichst kurz eingenommen werden« stimmt jeder Zweite zu und sogar 55 Prozent jener Befragten, die selbst an chronischen Schmerzen leiden. Diese Aussage ist aus schmerzmedizinischer Sicht falsch. Bei der Behandlung chronischer Schmerzen verhält es sich ähnlich wie zum Beispiel bei Bluthochdruck oder Diabetes. Chronischer Schmerz braucht chronische – also dauerhafte – Behandlung und dies unter Kontrolle eines Experten. Kurzfristige Behandlung bei Bedarf erzeugt nicht den gewünschten Effekt.

»Schmerzen nach einer OP lassen sich nicht vermeiden«
Auch der Feststellung »Schmerzen nach Operationen lassen sich eben nicht vermeiden«« stimmt jeder Zweite zu. Wahr ist allerdings, dass sich gerade Schmerzen nach einer Operation sehr gut vermeiden lassen, da sie absehbar sind. In der Regel sind solche Schmerzen zeitlich befristet, weshalb meist wirksam vorgebeugt werden kann.

»Schmerzen muss man einfach hinnehmen«Frau mit Kopfschmerzen
Der Feststellung »Schmerzen gehören nun einmal zum Leben – man muss sie einfach ertragen« stimmen etwa 30 Prozent aller Befragten zu. „Schmerzen gehören sicherlich zum Leben, aber sie müssen heute nicht passiv erlitten werden, sondern sollten angemessen behandelt werden. Vielleicht stellt sich nicht völlige Schmerzfreiheit ein, aber bereits Schmerzlinderung kann ein großer Erfolg sein und die Lebensqualität deutlich verbessern“, so Prof. Bach von der Österreichischen Schmerzgesellschaft.

»Viele Menschen bilden sich den Schmerz nur ein«
Diese Aussage ist auch falsch, da Schmerzempfindung immer etwas sehr individuelles ist. Schmerzen mit derselben Ursache können von zwei Menschen sehr unterschiedlich empfunden werden.


»Kinder sind weniger schmerzempfindlich als Erwachsene«
Schon Neugeborene sind schmerzempfindlich. Schmerzen bei Kindern müssen unbedingt angemessen behandelt werden. Werden Schmerzen bei Kindern nicht behandelt, kann es zu einer »Gedächtnisspur im Nervensystem« kommen – es kann sein, dass die Kinder später schmerzempfindlicher sind.


»Medikamente mit Opioiden und Cannabinoiden eignen sich nur für die letzten Lebenstage«
Opioide sind nicht nur Medikamente für unheilbar Kranke; sie werden nicht nur bei vielen Krebsformen sondern auch bei anderen Schmerzformen – rheumatoide Erkrankungen – besonders wirksam eingesetzt. Richtig eingesetzt führen sie zur Sucht. Cannabinoide haben ebenso einen hohen Stellenwert in der Schmerzbehandlung.


Neue Entwicklungen der Schmerzmedizin
Zahlreiche neue Entwicklungen erweitern die Möglichkeiten der modernen Schmerzmedizin. Neue Substanzen und Darreichungsformen, schonendere Operationsmethoden und High-tech-Stimulationsverfahren bieten effektive Schmerzlinderung. „Kaum ein anderer Zweig der Medizin hat alljährlich mit so vielen therapeutischen Neuerungen aufzuwarten wie die Schmerzmedizin“, so Univ.-Prof. Dr. Wilfried Ilias, Vorstand der Abteilung für Anästhesiologie, Intensivmedizin und Schmerztherapie, Akademisches Lehrkrankenhaus Barmherzige Brüder in Wien. Insgesamt sind Wissen und Bewusstsein über die verschiedensten Schmerzformen und deren Therapie bei den Spezialisten in den letzten Jahren enorm gewachsen, ebenso wie das Instrumentarium, das zur Schmerzbekämpfung zur Verfügung steht.


ArztInnovationen bei der Schmerzbehandlung
Mit »Ziconotid« gibt es neuerdings ein auf einem modifizierten Schneckengift beruhendes Medikament, das bessere Behandlungsmöglichkeiten für Patienten mit schweren, sonst kaum behandelbaren Schmerzen bietet. „Das Medikament zählt seit der Entdeckung des Morphins vor 200 Jahren zu der ersten wirklich neuartigen Substanzgruppe für die Therapie stärkster Schmerzen und erzielt beste Erfolge“, so Prof. Ilias. Eine neue Freisetzungsform der Substanz »Hydromorphon HCl« ermöglicht durch eine kontinuierlichere Medikamentenabgabe eine bisher noch nicht möglich gewesene Gleichmäßigkeit des Wirkspiegels über 24 Stunden. „Dies gelingt durch eine Hohl-Tablette, in welche mittels Laser eine mikroskopisch kleine Öffnung gebohrt wurde, durch die der Wirkstoff, welcher mit einem Quellmittel in diesen Hohlraum eingeschlossen ist, kontinuierlich ausgepresst wird“, erklärt Prof. Ilias. Auch bei schwachen Opioiden haben Änderungen der Darreichungsform neue Zugänge zur Therapie eröffnet. So können durch gleichmäßige Wirkspiegel bis zu 18 Stunden Patienten tagsüber mit einer höheren Dosis und in Ruhephasen, wenn der Schmerz einen niedrigeren Pegel hat, mit einer stetig absinkenden Dosis des Medikamentes versorgt werden. Dies bedeutet eine Vermeidung unnötig hoher Wirkspiegel während der Ruhephasen und damit auch eine Verminderung des Nebenwirkungspotenzials. „Bald wird auch ein Nasalspray erwartet, das Schmerzen außerordentlich rasch beseitigen kann“, so Prof. Ilias. Dieser Spray ist besonders bei sog. Durchbruchschmerzen angezeigt. Die Schmerzforschung hat außerdem neue Erkenntnisse über Cannabinoide und über die Unterdrückung von chronifizierten Schmerzen gewonnen – auch in diesem Bereich werden neue medikamentöse Entwicklungen erwartet.


Frauen leiden anders
Frauen erleben und verarbeiten Schmerzen nicht nur anders als Männer, sie leiden auch häufiger. 28 Prozent der Österreicherinnen, aber nur 18 Prozent der Österreicher, sind von chronischen Schmerzen betroffen. Frauen leiden zudem intensiver als Männer und die Schmerzen dauern länger an. Vom Reizdarmsyndrom etwa sind Frauen vier Mal häufiger betroffen als Männer. Bei der Fibromyalgie zeigen Studien ein Verhältnis von 4:1 bis zu 7:1 auf. Nachgewiesen ist auch, dass Frauen häufiger als Männer an Migräne (2,5:1), Spannungskopfschmerz (1,5:1) oder chronischem Rückenschmerz (1,5:1) leiden. „Im Vergleich zu Männern haben Frauen auch öfter mehrere dieser chronischen Schmerzzustände gleichzeitig“, so Univ.-Prof. DDr. Hans Georg Kress, Leiter der Abteilung für Spezielle Anästhesie und Schmerztherapie an der Medizinischen Universität, AKH Wien. Neue Erkenntnisse zeigen, dass auch geschlechtsspezifische Unterschiede in der Wirksamkeit und beim Dosierungsbedarf von Schmerzmitteln bestehen. Dazu kommt, dass Frauen Schmerzen aufgrund ein- und derselben klinischen Ursache im Lebensverlauf – Pubertät, gebärfähiges Alter, Postmenopause – aber auch im Verlauf des hormonellen Monatszyklus unterschiedlich stark empfinden.

Einen Informationsfolder zum Thema Schmerz (»Schach dem Schmerz!«) kann bei der Österreichischen Schmerzgesellschaft unter der Tel: 01/319 43 78 12 oder auch im Internet unter www.oesg.at kostenlos bestellt werden.

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